Glaubenssätze - und wie diese Ihr Leben beeinflussen

 

1. Die Probleme einer Person im Alltag beschreiben

 

Die E-Mail von der 62-jährigen Anna Berg (Name geändert) kam überraschend und ich konnte das Geschilderte kaum glauben:

Liebe Frau Jost, ich stehe vor einer schwierigen Entscheidung. Weil ich seit Tagen total erschöpft bin und ich einfach nicht mehr alles machen kann wie bisher, sehe ich mich zu einer Änderung gezwungen. Nun habe ich mich schweren Herzens entschieden, die Hündin Lina nicht mehr zu hüten. Es wird mir einfach zu viel. Ich bin mir trotz allem aber nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung ist. Aber ich kann einfach nicht anders.

 

Ausgerechnet das wöchentliche Hüten dieser herzigen, vorwitzigen Pudeldame will Anna Berg aufgeben? Das darf doch nicht wahr sein. Die beiden mögen sich so sehr, dies habe ich schon selber miterlebt: Lina bellt freudig und wedelt drauflos, sobald sie Anna Berg von weitem erspäht.
Sie ist eine folgsame Hündin, reagiert auf Anweisung und bleibt brav in ihrer Nähe.

 

Bereits 2 Monate zuvor schickte mir Anna Berg eine E-Mail zu:

Liebe Frau Jost, ich habe am Morgen den Termin von der Shiatsu-Therapeutin schon wieder vergessen. Es geht mir gar nicht gut. Ich bin wieder seit zwei Tagen in einer totalen Depression. Körperlich bin ich sehr schwach, habe keinen Appetit, bin lustlos, habe an nichts mehr Interesse, alles ist sinnlos. Ich habe einfach keine Freude mehr.  

 

Obwohl sich die Behandlungen bei der Shiatsu-Therapeutin sehr positiv auswirken, hat sie die Sitzungen dreimal hintereinander vergessen. Ausgerechnet die Behandlungen, welche ihr so guttun, ihr viel Ruhe geben, eine innere Entspannung bringen und ihr „das Herz öffnen“.

Doch weshalb vergisst Anna Berg ausgerechnet die positiven Termine der Shiatsu-Therapeutin und will nicht mehr auf die Hündin Lina aufpassen? Zwei Sachen, welche ihren Alltag bereichern und richtig Spass machen?

 

Alles was sich in der Aussenwelt zeigt, hat schlussendlich mit dem Inneren der betreffenden Person zu tun. Also fragte ich konkreter nach. „Wie ist es möglich, Frau Berg, dass Sie ausgerechnet Ihre Lieblingstermine vergessen und Lina nicht mehr hüten wollen? Können Sie sich an Situationen in Ihrem Leben erinnern, bei welchen Sie die positiven Ereignisse abgelehnt haben oder nicht durchführen konnten? „Was spricht dagegen, sich selber Gutes zu gönnen?“

 

Nach einigem Nachdenken erinnerte sich Anna Berg an ein zentrales Ereignis in ihrem Leben:

Ihr Vater war alkoholkrank und die Mutter überfordert mit der Erziehung. So kam die kleine Anna mit gerade mal vier Jahren in eine Pflegefamilie, welche bereits fünf eigene Kinder hatte. Sie fühlte sich in dieser Familie sehr geborgen, glücklich und es wurde ihr neues Zuhause. Mit acht Jahren musste sie überraschend in eine andere Pflegefamilie umziehen, weil „ihre Familie“ wegzog und in der neuen Wohnung nicht genügend Platz vorhanden war. Dies sei ein totaler Schock gewesen für sie. Sie habe sich ohnmächtig und hilflos gefühlt. Es blieb ihr nichts anderes übrig als umzuziehen und ihr Schicksal anzunehmen. Den Verlust dieser tollen Familie habe sie jedoch nie verarbeitet.
Anna Berg konnte sich in der neuen Pflegefamilie nicht gut einleben, obwohl alle zuvorkommend gewesen seien. Sie habe täglich erbrochen, Durchfall gehabt und mit niemandem gesprochen. Nach zwei Wochen konnte sie zu einer ihrer Tanten ziehen. Dort blieb sie bis ins Erwachsenenalter.

 

2. Wie Lösungsmöglichkeiten aussehen können

 

Anna Berg erkannte sehr schnell, wie „das Verpassen von guten Momenten in ihrem Leben“ mit dem Ereignis von damals zu tun hatte.
Ihr innerer Glaubenssatz* war: Wenn es dir gut geht, wird es dir wieder genommen.
Sie realisierte, wie sehr sie gute Momente abwertet und vermeidet, aus Angst es werde ihr wieder genommen. Das Vermeiden schützt vor der Gefahr eines weiteren Verlusts und vor der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Sie nannte diesen Zustand den „Selbstsabotage-Teil“ in ihr. Ich sprach mit diesem Selbstsabotage-Teil einige Worte: „Was damals passiert ist, war sehr schlimm. Du willst Anna Berg beschützen vor Verlust. Das ist auch verständlich und du hast einen guten Grund dafür. Doch Anna ist jetzt eine erwachsene Frau. Sie hat ihre eigene Wohnung, fühlt sich wohl und ist in Sicherheit. Sie darf Spass und Freude haben am Leben, wie alle anderen Menschen auch.“

 

* Glaubenssätze sind tief verankerte Überzeugungen in uns, wie wir uns selber und unsere Aussenwelt sehen. Wir suchen unbewusst immer wieder die Bestätigung, dass unsere Glaubenssätze wahr sind, so dass sie sich immer mehr in unserem Unterbewusstsein verankern. Glaubenssätze wirken und zeigen sich in unseren Entscheidungen, Gefühlen und Handlungen.

 

Anna Berg hütet heute weiterhin die Hündin Lina und geht regelmässig in die Shiatsu-Behandlung. Sie streicht den Termin zwar etwas dicker an in der Agenda – zur Sicherheit – sie hat ihn aber nicht mehr vergessen. Anna Berg ist beeindruckt von den Abhängigkeiten zu früheren Erlebnissen und wie sich Prägungen unbewusst in der Gegenwart auswirken können.

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

 

Negative Glaubenssätze und innere Überzeugungen machen uns das Leben schwer. Sie lassen uns glauben, dass dies die Realität sei. Stattdessen sind es Erlebnisse von früher, welche uns unbewusst so denken, fühlen und handeln lassen.

Deshalb: Entlarven Sie Ihre Glaubenssätze.

Falsche Glaubenssätze können bis zur Depression führen. Aber auch bei psychisch gesunden Menschen können ungünstige innere Dialoge das eigene Potential behindern, so dass wir uns nicht voll entfalten können.

Möchten Sie Ihren eigenen negativen Glaubenssätzen auf die Schliche kommen? Ich habe Ihnen eine Liste mit negativen Glaubenssätzen erstellt. Kommen Ihnen einige bekannt vor? Wenn ja, streichen Sie die auf Sie zutreffenden Glaubensätze an.

Wollen Sie diese negativen in positive Glaubensätze umwandeln?
Dann schreiben Sie die Glaubenssätze ins Positive um, so wie es sich für sie richtig anfühlt. Legen Sie die positiven Formulierungen auf Ihren Schreibtisch, Nachttisch oder wo sie sonst für Sie gut ersichtlich sind. Lesen Sie die positiven Glaubenssätze jeden Tag laut vor und visualisieren Sie diese, als wären Sie schon Wirklichkeit geworden.

Es fallen Ihnen keine positiven Formulierungen ein?
Dann können Sie die Liste mit positiven Glaubenssätzen als Vorlage nutzen.

 

Möchten Sie mehr zum Thema Glaubenssätze erfahren? Dann habe ich eine Buchempfehlung für Sie:

Glaubenssätze & Überzeugungen: Von mentaler Selbstsabotage zu innerer Stärke und Ausstrahlung.

 

Fazit: 

Negative Glaubenssätze auflösen und in positive umwandeln – dafür brauchen Sie vor allem Willenskraft, Disziplin, Geduld und eine Menge Selbstreflexion. Überprüfen Sie immer wieder Ihr Denken und Handeln. Es ist ein Weg, der sich lohnt und zu mehr Glück, Zufriedenheit, Selbstbewusstsein und Gelassenheit im Leben führt. Sie werden erstaunt sein, welche grosse Auswirkung dies auf Ihr Lebensgefühl und Ihren Lebensweg haben wird.

 

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Negative Glaubenssätze
Welche negativen Glaubenssätze treffen auf Sie zu? Sie können die Liste jederzeit mit Ihren eigenen negativen Glaubensätzen ergänzen.
Arbeitsblatt_Negative-Glaubenssaetze.pdf
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Positive Glaubenssätze
Hier sind positive Glaubensätze aufgelistet. Welche passen zu Ihnen? Sie können auch gerne eigene positive Glaubenssätze aufnotieren.
Arbeitsblatt_Positive-Glaubenssaetze.pdf
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