Tiere als beste Freunde

1. Die Probleme von Personen im Alltag beschreiben

Die Erfahrungen mit Haustieren bei meiner Klienten sind sehr vielfältig, äusserst unterschiedlich, immer spannend aber zum Teil auch fragwürdig. Haustiere lösen positive Gefühle aus, viele Menschen fühlen sich dadurch weniger einsam, haben eine Betätigung und „es läuft immer was“. Doch ab wann sind es ungesunde Beziehungen und bis wohin kann man überhaupt von Haustieren sprechen?


Ich unterteile in drei Kategorien:

 

1. Wird das Tier artgerecht gehalten, ist der Besitzer ist der Chef des Tieres und nicht umgekehrt, wird es wird regelmässig gefüttert, wird die Gesundheit kontrolliert, zeigt das Tier zeigt ein normales Verhalten? Dann hat dies einen sehr positiven Einfluss auf den Menschen:

 

·  Eine Klientin putzt ihre Wohnung nur „ihren beiden Buben zuliebe“, so nennt sie ihre zwei Kater. Für sich selber hat sie wenig Zuneigung, keine Selbstachtung und würde den Haushalt kaum reinigen. Doch die Buben sollen es gut und sauber haben!

·  Eine andere Klientin hat einen Hund, mit welchem sie 3 x täglich Gassi geht. Die körperliche Betätigung tut ihr gut, doch es zeigt sich noch ein ganz anderer positiver Effekt: Wenn sie dissoziiert, so bemerkt ihr Liebling dies sofort und fängt an zu bellen, bis sie wieder im Hier und Jetzt ist.

·  Eine weitere Klientin hat kürzlich zwei Ratten gekauft. Seitdem spürt sie mehr Lebensfreude, sie liebt ihre beiden Nager sehr. Wenn sie über ihre Ratten spricht, dann leuchten ihre Augen. Mit grosser Ausdauer zähmt sie die beiden, hält das grosse Gehege stets sauber und nimmt ihre Verantwortung sehr ernst.

 

2. Dann gibt es leider noch ganz andere Erfahrungen, die ich bisweilen machte: Menschen, die mit ihren Haustieren überfordert sind:

 

·  Eine Langhaarkatze war in der Wohnung der Klientin so verwildert, dass weder die Klientin noch ich sie einfangen konnten. Ich versuchte es vergeblich, die Kratzwunden an meinen Händen waren über Wochen zu sehen. So musste schlussendlich der Tierarzt zur Klientin nach Hause kommen und beim Einfangen helfen.

·  Eine etwas ältere Klientin schaffte es nicht mehr, zu ihrem doch recht pflegeleichten Hund zu schauen. Er kotete in die Wohnung, hatte lange Krallen und ein ungepflegtes Fell. Die Klientin war uneinsichtig. Es war „Gottseidank“ das einzige Mal, dass ich in meinem Berufsalltag nach Absprache mit dem Beistand das Veterinäramt einschalten musste.

Die Situation ging gut aus, und sie konnte den Hund unter Auflagen behalten.

· Eine junge Klientin hatte zwei Geckos als Haustiere. Diese sind äusserst nachtaktiv. Meine Klientin nahm Schlafmedikamente ein, und schlief jeweils so fest, dass sie gar nicht bemerkte, wie die zwei sich flink hinter den Küchenschränken einnisteten und schlussendlich alles voller Kot war. Der Schaden war sehr gross, der Vermieter wollte ihr die Wohnung kündigen. Die Angelegenheit kam vor die Schlichtungsbehörde. Ein Jahr später zog sie um - ohne Geckos.

 

3. Bei der dritten Kategorie ist es nicht ganz klar, ob überhaupt von Haustieren gesprochen werden kann:

 

·  Ein 80 jähriger Klient liebte es, die Tauben auf seinem Balkon zu füttern, dies machte ihn glücklich. Er war sehr einsam und in der Mobilität eingeschränkt. Die Freude währte nicht lange, schon bald kam ein Brief von der Verwaltung, er solle sofort damit aufhören. Zudem musste er die Reinigung des Nachbarsbalkons unterhalb von ihm übernehmen.

·  Eine andere Klientin erfreute sich an den Spatzen. Sie warf Brotkrümel auf den Stubenboden, mehrere Spatzen kamen zur Balkontüre herein, frassen, piepsten und flogen fröhlich in ihrer Stube umher. Dies lenkte die Klientin von ihren Problemen, Ängsten und Nöten ab. Wer konnte es ihr verübeln? Ich, weil ich ihr helfen musste den Kot in der Stube zu entfernen.

·  Ein Klient war lange Zeit Imker, er konnte dieses Hobby aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr durchführen. Nun hatte er in seinem grossen Garten viele verschiedene Sträucher gepflanzt, damit Schmetterlinge, Wildbienen und weitere Insekten und Vögel bei ihm heimisch wurden. Er beobachtet diese und freut sich daran.

 

2. Wie Lösungsmöglichkeiten aussehen können

Tiere tun dem Menschen gut. Die positiven Auswirkungen von Tieren auf den Menschen sind belegt. Das Wohlbefinden steigt, Tiere wirken beruhigend, geben das Gefühl gebraucht zu werden, können motivierend sein und trösten. Hundehalter zum Beispiel sind aktiver und finden schneller Kontakt in der Gesellschaft. Katzen verringern das Gefühl von Einsamkeit.

Besonders für alleinstehende Menschen mit traumatischen Erfahrungen sind Tiere vertrauenswürdige Ersatzpartner. Die Kehrseite ist leider, dass sie manchmal zu wenig zu ihren lieben Tieren schauen. Weshalb ist das so?
Vermutlich liegt es auch daran, dass Menschen mit traumatischen Erlebnissen unerträgliche Erfahrungen in ihrem Leben verdrängen. Wenn die Realität kaum zu ertragen ist, so ist es eine Schutzfunktion, die tatsächliche Situation nicht wahrhaben zu müssen. Das Ignorieren, Verleugnen und Verharmlosen hilft, die Realität nicht in ihrem ganzen Ausmass wahrnehmen zu müssen. So kann es sein, dass sie nicht spüren, was ihr Haustier braucht und nicht erkennen, wenn es leidet.

Deshalb ist es unter anderem auch meine Aufgabe, bei aller Tierliebe, auf eine realistische Selbsteinschätzung und auf deren Konsequenzen aufmerksam zu machen. Ziel ist es, das Tier behalten zu können und dem Tier ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

Vielleicht haben Sie zu Weihnachten ein Tier geschenkt gekriegt? Herzlichen Glückwunsch!
Oder Sie sind schon lange Tierhalterin? Wunderbar!
Dann wissen Sie ja bestens Bescheid über die Tierhaltung.
Je nach Tierart wird unter Umständen viel Zeit benötigt. Und es kann auch ziemlich teuer werden, nicht nur für Impfungen, Fell- und Krallenpflege, sondern bei Unvorhergesehenem.

Sie wünschen sich ein Tier, haben aber nicht die nötige Zeit dazu? Wie wäre es, mit einem Hund vom Tierheim Gassi zu gehen? Die Tierheime freuen sich über Unterstützung.

 

Oder auf eine andere Art und Weise gutes Tun für die Tierwelt: Fördern Sie die Biodiversität. Sei es auf dem Balkon oder im Garten. Nur schon ein paar Samen oder einige Pflanzen kommen unserer einheimischen Insektenwelt zu Gute.