Endlich ins Handeln kommen

1. Die Probleme einer Person im Alltag beschreiben

Sandra Lehner* ist eine äusserst talentierte Pharma-Mitarbeiterin im Aussendienst.
Sie besticht mit Humor, Rhetorik, Fachwissen, gepflegtem Auftreten und besten Manieren.
Wer würde nicht bei ihr kaufen?  *Name ist geändert

 

Die ganze Administration wie Termine verwalten und koordinieren, Neukunden erfassen oder Bestellungen weiterleiten: das macht Sandra Lehner selber.

Sie ist sich bewusst, dass die Administration schon immer ihr Schwachpunkt war. Früher, als Angestellte, waren es nur ihre persönlichen Belange, welche ein unerledigtes Dasein führten. 
Nun sind es neben den persönlichen auch geschäftliche Pendenzen, die sich in ihrem Büro zu Hause stapeln. Sandra Lehner ist damit überfordert, das Chaos wird immer grösser. Nur schon der Gedanke, geschweige denn ein Blick in ihr Büro, löst bei Sandra Lehner Magenschmerzen aus. Sie prokrastiniert** äusserst ausgefeilt und intensiv.

 

**Prokrastination nennt man das Aufschieben von anstehenden Aufgaben. Es ist ein emotionales Regulationsproblem und kann sich verstärken, umso mehr aufgeschoben wird. Meistens handelt der Betroffene erst dann, wenn er unter massivem Zeitdruck steht.

 

Sandra Lehner versucht sich selber zu helfen. So schreibt sie drei To-do-Listen: eine Berufliche, eine Private und eine für die Haushaltsreinigung. Sie hat eine Agenda, einen Wochenplan und ein Tagebuch. Diese Hilfsmittel sollen mithelfen, ihr Dilemma zu lösen. Sie tun es aber nicht. Weshalb?

Das Hauptproblem von Sandra Lehner ist schnell erkannt: Es fehlt an der Umsetzung.
Sie schiebt die Aufgaben extrem lange vor sich her. Erst mit äusserst grossem Zeitdruck gelingt es ihr, Arbeiten zu erledigen. Da dann aber die Zeit fehlt, kann sie die Dinge nicht mehr so umsetzen, wie es ihren persönlichen Erwartungen entsprechen würde. Unangenehme Gefühle sind dann jeweils die Folge. Ihrem Chef fällt dies auf. Da aber Sandra Lehner eine sehr gute Verkäuferin ist und gute Umsätze machte, bleibt ihr Verhalten ohne Konsequenzen.

 

2. Wie Lösungsmöglichkeiten aussehen können

Als erstes kläre ich meinen Auftrag: Was genau will Sandra Lehner verändern?
„Bitte helfen Sie mir das Büro aufzuräumen und meine Pendenzen anhand einer Prioritäten-Liste zu sortieren. Auch möchte ich die Wohnung sauber halten.“ To- do- Listen müssen wir keine mehr schreiben, die sind tadellos erstellt, mit bunten Farben geschrieben und verziert.

Ich unterstütze Sandra Lehner online:
Gemeinsam räumen wir zuerst den Bürotisch auf, sortieren aus, was privat und was beruflich ist.
Wir erstellen eine Prioritätenliste und planen diese im Wochenplan ein. Die ersten wichtigen Pendenzen nimmt Sandra Lehner in Angriff, während ich online mit dabei bin. Erst als sie „im Fluss ist“ ***, beende ich die Online- Beratung für diesen Tag, und sie arbeitetet alleine weiter.

 

*** so nenne ich es jeweils, wenn die Kundin die Arbeiten konzentriert und ohne meine weitere Hilfe durchführen kann.

 

Ein Persönlichkeits-Teil von Sandra Lehner, wir nennen ihn denn „Spass-Vogel“, macht aber zu Beginn nicht mit. Dieser will, wie es der Name sagt, Spass haben. Er hat keine Lust auf Büroarbeiten, putzen, früh aufstehen oder Post öffnen. Wochenpläne findet er schrecklich. Man lebt nur einmal, sagt der Spass-Vogel dem Erwachsenen-Persönlichkeitsteil und lenkt ihn von seiner Verantwortung ab.

Sandra Lehner muss lernen, den Erwachsenen-Teil in die Gegenwart zu holen, sich auf eine Arbeit zu fokussieren und dran zu bleiben. Ausreden sind nicht erlaubt. Der Spass-Vogel versucht immer wieder abzulenken. Trickreich will er das Steuer wieder an sich reissen, so wie er es seit langer Zeit schon gemacht hat. Eine Gewohnheit zu ändern ist schwer. Sandra Lehner kämpft mit sich, sagt während der Online-Beratungen immer wieder „ich will nicht, ich kann nicht, das ist langweilig“.

Ich spreche dem Erwachsenen-Teil dann jeweils Mut zu: Wenn sich etwas ändern soll, so sei es seine Aufgabe. Er solle dranbleiben und sich vorstellen, wie es sich toll anfühle, wenn die Arbeit erledigt sei. Den Spass-Vogel versuche ich zu besänftigen. Er könne schon wieder aktiv sein, in Form von Belohnungen. Dann dürfe er Netflix schauen, in den Ausgang gehen oder mit Freundinnen telefonieren.

 

So arbeiten wir in kleinen Schritten. Eine Arbeit nach der anderen. Sandra Lehner muss lernen, beim Aufräumen in ihrem Büro immer das zu erledigen, was sie gerade in der Hand hält, ohne in Gedanken schon beim nächsten Gegenstand zu sein. Auch Multitasking ist nicht erlaubt, weil dies nicht effizient und nachweislich ungesund ist. Wir vereinbaren bis zum nächsten Einsatz Hausaufgaben und planen diese im Wochenplan ein. Diese sind verbindlich.
Auf der gedanklichen Ebene lernt Sandra Lehner statt: „Ich muss noch Bestellungen machen“, den Satz: „Neukunden brauchen ihre bestellten Produkte möglichst schnell“.  

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

Man kann noch so viele Bücher lesen, To-do- Listen erstellen, im Internet surfen oder auf Sozialen Medien um Rat fragen. Schlussendlich geht es ums Anfangen, Beginnen, Umsetzen!

Durch das TUN entsteht Veränderung. Zu sehen was geschafft ist, gibt ein gutes Gefühl. Vielleicht auch ein AHA-Erlebnis. Dies kann anspornen, um vorwärts zu kommen, Erfahrungen zu sammeln und zu meistern.

Wer kennt ihn nicht, den Persönlichkeits-Teil, der uns so gerne ablenkt? Egal ob er „Spass-Vogel“,  „Schweine-Hund“, „Affen-Tanz“ oder „Hans-guck-ins Internet“ heisst.

 

Wie lässt er sich überwinden?

Wenn Sie konzentriert eine Arbeit erledigen müssen, empfehle ich Ihnen, dies mit dem Erwachsenen-Teil zu machen. Er ist verantwortlich und der „Dirigent der Gegenwart“. Rituale können helfen, um ins tägliche Umsetzen zu kommen.
Welches sind Ihre Umsetzungs-Rituale? Immer die gleiche Musik zu Beginn der Arbeit? Ein spezieller Tee? Oder tragen Sie zum festigen der neuen Gewohnheit immer einen roten Pulli? Machen Sie ihre Rückenübungen jeweils vor dem Zähneputzen?

Sie dürfen ruhig kreativ sein.

Ich persönlich höre Focus Music auf YouTube. Ich fange mit Teilschritten an und schaufle mir Zeitfenster frei. Mein Motto lautet: „Jede Viertelstunde zählt“, das heisst, der Anfang ist wichtig. Ablenkungen sind zu vermeiden, Erfolge spornen zusätzlich an.

Um Übersicht zu erlangen und um Sie Anzuspornen, habe ich ein Übungsblatt für Sie aufgeschaltet. Tragen Sie Ihre Aufgaben dort ein und haken Sie diese nach der Durchführung jeden Tag ab. 

 

Und wenn all die vielen Tipps, das Übungsblatt und Motivationsmassnahmen nichts nützen?
Wie wäre es, nochmals zurück auf Feld Eins zu gehen und zu überlegen, was Ihre Ziele und Werte im Leben sind? Wollen sie das wirklich, was sie sich vorgenommen haben?

Dazu empfehle ich Ihnen den Blogeintrag von 1. Oktober 2019: So erreiche ich mein Ziel.
Oder haben Sie sehr hohe, zu perfektionistische Anforderungen an sich selbst gestellt? Dann lohnt es sich, den Perfektionismus unter die Lupe zu nehmen.
Wichtig ist, sich selber nach erfolgreichen Etappenzielen zu belohnen.

 

Fazit: 

Niemand hat gesagt, dass es einfach ist. Es ist zeitweise sogar sehr schwer, das tägliche Praktizieren durchzuführen. Und doch führt kein Weg daran vorbei, auch bei Unlust und Vermeidungsverhalten dranzubleiben. Üben Sie täglich, eisern, ohne Wenn und Aber.
Durch Disziplin entsteht neue Willenskraft, Hartnäckigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Bleiben Sie dran an den täglichen Übungen und erfreuen Sie sich an den Ergebnissen! 

 

Download
Monatliche Umsetzungs- Checkliste, zur täglichen Übersicht.
Planen Sie Ihre Handlungen auf dem horizontalen, roten Kopfbereich ein.
Nach jeder erfolgreichen Durchführung können Sie am jeweilen Tag (1-31) im entspechenden Feld (Morgen/Mittag/Abend) die erfolgte Handlung abhaken.
Arbeitsblatt_Umsetzungs-Checkliste.pdf
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