Drei Schritte zur Entscheidung

 

1. Die Situation einer Person im Alltag beschreiben

 

Werner Zingg (Name geändert), einer meiner ersten Online- Kunden, war sehr verzweifelt.


Schon länger standen bei Ihm Entscheidungen an, doch er schob diese immer wieder hinaus.

 

Um was es denn gehe, fragte ich mehrmals nach.
Werner Zingg bemühte sich, es auszusprechen, dies fiel ihm aber nicht leicht.

 

Er möchte umziehen.

 

Seit fünf Jahren lebe er in einer Wohngemeinschaft (WG), nachdem er eine Lebenskrise durchlebt habe. In der Zeit der Krise traute Werner Zingg nicht, alleine zu leben und kämpfte mit starker Einsamkeit.

Nun merke er, dass das Leben in der WG seine Probleme mit der Einsamkeit in keiner Weise löse. Auch erlebe er vermehrt Spannungen mit seinen Mitbewohnern, welche er nur schlecht aushalten könne.

Werner Zingg äussert, kaum noch an etwas anderes zu denken und leide unter Schlafproblemen. Er wolle schon seit drei Jahren umziehen, wäge Pro und Contra immer wieder aufs Neue ab. Doch ein Leben in der eigenen Wohnung traue er sich nicht zu, dies aus mehreren Gründen:

 

Er habe Angst vor:

  •          Überforderung in der Haushaltsführung
  •          Einsamkeit
  •          Hochkommen schlechter Gefühle
  •          Elektrosmog in der neuen Wohnung
  •          Finanziellen Engpässen (welche jedoch unbegründet sind)
  •          Zwietracht mit den neuen Nachbarn
  •          Erschöpfung/ sich zu überlasten
  •          Strassenlärm oder sonstigem Lärm

Werner Zingg glaubt, dass er durch das alleine Wohnen in eine Depression geraten sei. In der WG aber, wenn schlechte Gefühle aufkommen, sei immer jemand da zur Ablenkung. Dass sei auch ein Grund, warum er bis jetzt, fünf Jahre lang, in dieser Vier-Personen WG geblieben sei.

 

2. Wie Lösungsmöglichkeiten aussehen können

 

Die Online- Zusammenarbeit mit dem fast 60-jährigen, verzweifelten Mann war intensiv, direkt, wertschätzend und sehr spannend. Er zeigte grosses Interesse und liess sich immer wieder auf intensive Gespräche ein. Was machte es so spannend?

 

Wir arbeiten mit den Persönlichkeitsteilen

 

Werner Zingg erzählte mir von einem Bild, dass er kürzlich gemalt hatte: Es zeige ihn als Person mit grimmigem Gesichtsausdruck und acht Armen. Jeder Arm sei mit etwas beschäftigt, ohne dass die Arme voneinander wussten.

Dieses gemalte Bild war die Grundlage für das Arbeiten mit den Persönlichkeitsteilen.

 

Anhand seiner inneren Überzeugungen kamen diese acht kritischen Stimmen zum Vorschein:

 

  •          Der pessimistische Persönlichkeitsteil: „Ich werde so oder so falsch entscheiden“.
  •          Der kontrollierende Persönlichkeitsteil: „Die neue Wohnung muss perfekt sein, sonst kommt sie nicht in Frage“.
  •          Der angstvolle Persönlichkeitsteil: „Ich mache keine Veränderung, das ist zu bedrohlich“.
  •          Der selbst-entwertende Persönlichkeitsteil: „Ich bin ja nicht einmal fähig, eine Entscheidung zu treffen“.
  •          Der bequemliche Persönlichkeitsteil: „Am besten warte ich mal ab“.
  •          Der wütende Persönlichkeitsteil: „Ich will, dass es endlich vorwärts geht, sonst raste ich aus“.
  •          Ein Kind- Persönlichkeitsteil: „Eigentlich möchte ich ja schon, aber ich weiss nicht wie“.
  •          Der erschöpfte Persönlichkeitsteil: „Ich kann mich unmöglich entscheiden, mir fehlt die Kraft dazu“.

 

 

Werner Zingg war erstaunt über die Methode der inneren Persönlichkeitsteile, das war neu für ihn. Er konnte recht schnell Verständnis für sich aufbringen und erkannte die Problematik seiner inneren Konflikte nun viel besser: „Kein Wunder bin ich schon morgens müde und traue mir wenig zu“.

Doch ein wichtiger Persönlichkeitsteil fehlte.
Wenn sie bis anhin meine Blogs gelesen haben, so wissen Sie bestimmt, welchen ich meine:

  •          Der Erwachsenen-Persönlichkeitsteil

Dieser ist der Hauptteil der gesamten Persönlichkeit. Er ist das Oberhaupt, der Steuermann, der Dirigent, oder wie Sie Ihn gerne nennen möchten. Seine Aufgabe ist es, denn Alltag zu managen und zu entscheiden. Ist dieser Erwachsenen-Teil schwach ausgeprägt, so übernehmen andere Persönlichkeitsteile die Führung, was zu Problemen führen kann.

Wir stärken gemeinsam den Erwachsenen-Persönlichkeitsteil, welcher den anderen Teilen zuhört, sie ernst nimmt.
Aber am Schluss entscheidet der Erwachsenen-Teil, wie vorgegangen wird.

 

Dies ist eine Kurzfassung vom Fallbeispiel und der Vorgehensweise. Es geht hier vielmehr um das Verständnis der inneren Dynamik, weshalb innere Konflikte entstehen können, und wie eine Lösungsmöglichkeit aussehen kann.

 

Für Werner Zingg hat sich einiges verändert:

 

Mutig zügelte er in eine 3 ½ Zimmer- Wohnung, in einem ruhigen Wohnquartier. Herr Zingg ist glücklich und erleichtert. Die Sorge sich zu überfordern besteht noch, doch die Vorteile überwiegen. Alle oben beschriebenen Ängste haben sich nicht bewahrheitet. Ich begleite ihn noch eine kurze Zeit, um gemeinsam einen Wochenplan zu erstellen. Wir planen die Haushaltsarbeiten auf die ganze Woche verteilt ein.

Auch hat Werner Zingg sich für eine Psychotherapie angemeldet, um seine Depressionen und Ängste anzugehen.

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

 

Stecken Sie aktuell auch in einer Zwickmühle?
Dann schauen Sie mal genauer hin:
Was für innere
Persönlichkeitsteile zeigen sich? Was wollen Sie Ihnen sagen?
Und was ist mit dem Erwachsenen-Persönlichkeitsteil? Übernimmt dieser seine Verantwortung?
In dem Wort „Verantwortung“ steckt das Wort Antwort bereits drin.

 

Hier ist eine wunderbare Methode von Friedemann Schulz von Thun, aus dem Buch: Das „innere Team“:

 

Schritt 1:
Als Erwachsene sind Sie der Boss.
Starke Emotionen wie Angst, Scham, Trauer oder Liebe können zu Folge haben, dass wir uns ohnmächtig fühlen und einen Tunnelblick auf die Situation bekommen. Werden Sie sich bewusst, dass die Emotionen und damit die unterschiedlichen Teile zu Ihnen gehören, aber Sie der Chef sind.

 

Schritt 2:
Hören Sie den einzelnen Teilen zu.
Als Erwachsene, resp. Chef ist es Ihre Aufgabe, den inneren Teilen (Hr. Schulz von Thun nennt sie Teammitglieder) zuzuhören und wahrzunehmen. Auch diese, welche etwas leiser sind oder sich nicht als Erste melden. Schreiben Sie alle Antworten der einzelnen, sich meldenden Teile auf. Sie können dazu gerne mein Formular „Innere Landkarte - meine Persönlichkeitsteile“ verwenden.

 

Schritt 3:
Die gemeinsame Konferenz.
Sie sind erstaunt, was da für unterschiedliche Aussagen zusammenkommen? Können Sie Ihre innere Zerrissenheit verstehen? Jeder Teil hat seine Berechtigung und will das Beste für Sie.
Als Chef vom ganzen inneren Team ist es Ihre Aufgabe, die inneren Teile miteinander in Einklang zu bringen. Wer könnte mit wem reden, wer wen unterstützen? Manchmal reicht ein bisschen zureden oder einfach nur zuhören.
Meistens klärt sich auf diese Art schon Einiges und Sie als Erwachsene, können nun eine Entscheidung fällen.

 

Wichtig zu wissen:

  1. Beim nicht entscheiden kann später das Gefühl entstehen, etwas im Leben verpasst zu haben. Falsche Entscheide hingegen sind Lernprozesse und gehören im Leben dazu.
  2. Fragen Sie sich: Was für Folgen hat der Entscheid in 10 Minuten? In 10 Stunden? In 10 Monaten? In 10 Jahren?
  3. Wenn Sie sich als 90-jährige vorstellen und auf diesen Moment zurückblicken: Wie würden Sie entscheiden? Entspricht der Entscheid Ihren Zielen und Werten?

 

 

 

 

 

Nehmen Sie die Verantwortung in die eigene Hand, stellen Sie sich den unangenehmen Gefühlen und gehen Sie den Weg, welcher Ihren eigenen Werten am meisten entspricht.

 

Ich wünsche Ihnen interessante Entdeckungen, eine innere Gelassenheit und gute Entscheide, die für Sie passend und stärkend für ihr weiteres Leben sind!

 

Als Buchhinweis empfehle ich Ihnen Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden: „Das „innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation.

  

Auch meine eigenen Sorgen und Ängste im Vorfeld waren unbegründet: Ich verbrachte die letzten drei Monate von Mittwoch bis Sonntag im Camperbus.

Meine Erfahrungen und Bilder zu diesem Erlebnis sind auf meiner Webseite: worklifebus.ch unter News als Beitrag "Mein Leben als Teilzeit-Nomadin" aufgeschaltet.