Mitten auf der Brücke

 

In diesem Augenblick, mitten auf der Brücke, da war ich der Sündenbock. Denn ich habe meine Klientin, ich nenne sie hier Rosa Pfyl, in eine Notlage gebracht. Was war geschehen?

 

1. Die Situation einer Person im Alltag beschreiben

Rosa Pfyl leidet unter Agoraphobie*. Durch Vermeidung wurden die Ängste immer schlimmer und schon bald konnte sie die Wohnung nicht mehr verlassen. Rosa Pfyl litt extrem unter diesen massiven Einschränkungen und wollte dies unbedingt ändern.

 

* Agoraphobie ist eine bestimmte Form der Angststörung. Die Angst wird durch bestimmte Orte und Situationen, wie weite Plätze oder Menschengedränge, ausgelöst. Eine Agoraphobie liegt auch dann vor, wenn Menschen angstbedingt weite Plätze oder das Reisen meiden. 

Allen diesen Situationen ist eine Angst vor einem Kontrollverlust gemeinsam. Die Agoraphobie tritt häufig zusammen mit einer Panikstörung auf.

 

So kam es, dass ich vom zuständigen Psychiater angefragt wurde, ob es mir möglich wäre, Frau Pfyl im Aussenbereich zu begleiten.

 

Zuerst liefen wir einige Schritte um Ihr Haus, fuhren Bus, liefen an befahrenen Strassen entlang, benützten Rolltreppen, oder fuhren mit dem Zug kurze Strecken. Der Radius wurde mit der Zeit sukzessive erweitert. Was sich hier so locker aufzählen lässt, war in Tat und Wahrheit ein harter Kampf. Es war ein stetiges sich den Situationen aussetzen, Üben und Aushalten.

Um nach den Übungen ermüdet, aber auch erleichtert zu spüren, es überlebt zu haben.

 

Das regelmässige zusammenarbeiten zeigte erste Erfolge

Die neu erlangten Freiheiten brachten Freude, aber auch Angst vor möglichen Rückschritten. Daher überprüften wir nach den Übungen immer die vorherrschenden Glaubensätze, Überzeugungen und Einstellungen. Aus einem «Das schaffe ich sowieso nicht» wurde ein «Ich will es schaffen». Ein «Das nächste Mal geht es bestimmt wieder nicht mehr» wurde zu einem «Was ich heute gelernt habe, kann ich auch das nächste Mal wieder». Rosa Pfyl wiederholte die Übungen alleine oder mit Verwandten und Freunden weiter.

 

Schon bald merkte ich; wenn Rosa Pfyl ihr Tagesziel selbst formulieren konnte, dann klappten die Übungen besser. Sie war besser darauf eingestellt, da sie sich im Voraus damit befasste.

 

Und dann kam er, der grosse Wunsch, endlich wieder mal über die Kappelbrücke laufen zu können.

Vor Jahren hatte sie eine Panikattacke mitten auf der Kapellbrücke, deshalb war diese Exposition mit sehr vielen Ängsten verbunden.

 

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Es war ein Regentag. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, doch wir waren unter dem Dach der Holzbrücke gut geschützt. Die Nervosität zu Beginn war hoch, ich machte ihr Mut, aber auch etwas Druck, den Weg zu wagen.

 

 

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern

 

zur Tat zu schreiten, obwohl man Angst hat.

   

  

Zu Beginn der Übung zeigte sich ein starkes Zittern, ein Druckgefühl in der Brust und negative Gedanken.
Doch ehe Rosa Pfyl sich besann, liefen wir bereits am Wasserturm vorbei.

In diesem Moment realisierte sie, dass der Weg vor und zurück etwa gleich lang war. Die Befürchtung, dass sie im Falle einer Panik nicht schnell genug flüchten könnte, löste bei Frau Pfyl eine starke Wut aus. Die Wut richtete sie auf mich, da ich ihr das alles «eingebrockt» habe. Aufgebracht sprach sie folgende Worte zu mir: «Ich könnte sie umbringen».

 

Die Wut setzte nun unterdrückte Kräfte frei. Rosa Pfyl wirkte auf einmal aktiver, nahm eine aufrechtere Haltung ein. Ihr Gang wurde nicht schneller, aber bewusster. Es fühlte sich an, als würden bei jedem Schritt schwere Steine von ihr abfallen, so stark war die Erleichterung zu spüren.

 

Diese Worte und diese Wut waren schon eindrücklich. Und doch war diese starke Emotion nötig, um etwas in Gang zu bringen, ihre eigenen Grenzen zu erweitern, in die Gänge zu kommen.

Wut ist eine wichtige Emotion, solange sie nicht ausartet, beleidigt oder gar verletzt.

 

2. Was die Brücken-Übung verändert hat

Rosa Pfyl lud mich eine Woche später beim Mühleplatz zu einem Kaffee ein. 

Sie entschuldigte sich mehrmals, ihr war dieser verbale Ausrutscher sehr unangenehm.

Doch der Wutanfall habe etwas sehr Positives bewirkt, wie sie mir erzählte.

Sie fühle sich klarer, verspüre etwas mehr Energie und getraue sich mehr zu. 

 

Ein intensives Gespräch begann

Sie bedankte sich bei mir auf überschwängliche Weise, lobte mich über den grünen Klee hinweg, so dass es mir fast unangenehm wurde. Sie war überzeugt, dass ich ihr die Angst genommen habe, dass ich es gewesen sei, welche die positive Veränderung hervorgebracht habe.

 

Ich sprach vehement dagegen: „Nein, Sie haben sich entschieden die Brücken-Übung durchzuführen, Sie sind selber gelaufen, Sie haben es ausgehalten und durchgestanden. Ich habe Sie lediglich begleitet und angeleitet.“

 

„Nein Frau Jost, das waren Sie, da bin ich mir sicher. Sie verstehen was zu machen ist, und wie man die Angst angehen muss, Sie haben mir die Angst genommen.“

So ging das eine Weile hin und her. Rosa Pfyl konnte es einfach nicht glauben, dass Sie das selber zustande brachte.  

 

Dieser Dialog brachte mich auf eine Idee 

Wenn es Rosa Pfyl geschafft hat über die Brücke zu laufen, warum sollen es nicht auch andere Menschen schaffen?

Es ist immer wieder dasselbe bei der Begleitung von Menschen mit Angsterkrankungen, aber auch bei anderen Widerständen, Hindernissen und Blockaden:
Sobald die betroffene Person entscheidet, es zu wagen und aktiv mitzumachen, dann wird sehr Vieles möglich; sonst nicht.

 

Es ist wie bei einer Wanderung. Sie können sich eine Wanderung vornehmen und planen. Aber schlussendlich müssen Sie es auch umsetzen, anpacken; Wanderschuhe anziehen und auch wirklich losmarschieren. Ansonsten bleibt es ein Traum, ein Wunsch, ein Luftschloss. Entscheidend ist das Machen, Umsetzen, Tun, endlich in die Handlung zu gehen. Nur so können Ängste/ Blockaden oder Hindernisse aufgelöst werden.

 

So entstand der Online- Kurs: Befreit leben.

Ich bin überzeugt, dass es jeder schaffen kann. Wenn nicht alleine, dann mit Unterstützung, sei es in physischer Begleitung, vor Ort oder online. Doch der Weg der betroffenen Person kann nicht abgenommen werden, diesen muss sie selber gehen.

Aus diesem Grund habe ich einen Online- Kurs zur Auflösung von Blockaden erstellt, welcher Schritt um Schritt begleitet.

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

Wo lauert bei Ihnen eine Aufgabe, die nun endlich in Angriff genommen werden will?

Gehen Sie diese Aufgabe gezielt an, planen Sie entsprechende Massnahmen in Ihrer Agenda ein, und setzen Sie diese täglich um. Sind Sie unzufrieden, und wissen nicht genau weshalb?

Sie möchten zuerst eine Bestandsaufnahme machen, bevor Sie mit der Umsetzung beginnen?

 

Der Online-Kurs:“ Befreit leben“ unterstützt Sie von Anfang an.
Sei es bei der Bestandesaufnahme Ihrer Situation, bei der Entscheidung, welche Blockade Sie angehen wollen, bei der Vorbereitung, Planung, Motivation und Unterstützung während der Durchführung und Auswertung. Es ist ein Gesamtpaket, welches Sie vollumfänglich online begleitet.

 

Wünschen Sie eine Online-Begleitung, oder möchten Sie sich informieren, dann führt Sie dieser Link zum Kurs:

alltagshorizont.ch/befreit-leben

  

Falls Sie jemanden kennen, für den dieser Kurs in Frage käme, so leiten Sie bitte den Link vom Online-Kurs weiter.

Vielen Dank!