Wuchernde Gedanken

 1. Die Situation einer Person im Alltag beschreiben

 

Hurra, die Gartensaison fängt wieder an.
Viele Leute freuen sich auf diese Jahreszeit, wenn es wieder wächst und spriesst.
Doch es gibt auch Unerfreuliches, das aus dem Boden drängt. Solches, das immer wieder einen Weg in unseren Garten findet: Giersch, Disteln, Zaunwinde, Stechapfel und einiges mehr. Sind sie einmal im Beet, werden wir sie nur schwer wieder los.

So ist es auch mit negativen Gedanken.Wehe dem, der seine Gedanken nicht zügelt, denn diese können wie Unkraut wuchern und enorme Dimensionen annehmen.

 

Da stellt sich die Frage, weshalb negatives Denken so stark verbreitet ist.

  • Weshalb reicht es nicht aus, einen guten Ratgeber zum Thema positives Denken zu lesen?
  • Warum erzeugt die Engels-Zeitschrift für den Moment gute Gefühle, wirkt aber längerfristig nicht?
  • Wir hören einen inspirierenden Podcast und doch verändert sich im eigenen Leben nichts?

Wir zupfen die negativen Gedanken herraus, doch sie kommen immer wieder.
Viele kommen an den Punkt, bei denen Selbstzweifel entstehen: „Bin ich etwa ein schlechter Mensch? Oder einfach nur zu dumm? Weshalb schaffe ich es nicht, positiver zu sein?“

 

Es gibt einen ganz klaren Grund, weshalb dies so ist: Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, ständig positiv zu denken.

 

In erster Linie ist es dafür da, unser Leben zu schützen. Wie macht unser Gehirn das? Indem es uns auf Gefahren, Scheitern, Schmerzen hinweist und das dauernd. Und weshalb macht unser Gehirn das?

Weil in der Steinzeit positives Denken nicht immer lebensverlängernd wirkte.
Fröhlich, unaufmerksam vor der Höhle tänzelnd – schon konnte es gefährlich werden. Unser Gehirn hat sich noch nicht an unsere neue Lebensart anpassen können. Vermutlich dauert das noch einige tausend Jahre…

 

Negative Gedanken kommen nicht, weil mit uns etwas nicht stimmt, sondern weil es in unserer Natur liegt. Sie wollen uns warnen, meinen es ja nur gut mit uns, weil sie unser Leben schützen wollen.

Deshalb ist es ein Trugschluss zu glauben, alleine durch positives Denken können wir unser Leben verändern. Denn negative Gedanken finden immer irgendwie einen Weg, sich zu zeigen, genauso wie es sich mit dem Unkraut im Garten verhält.

Das menschliche Gehirn neigt zu Selbstkritik, harten Urteilen und Schubladendenken.

Hier ein kleines Beispiel:
Ein Kompliment einer Kollegin über den schönen Pullover den ich trage, erfreut mich etwa eine halbe Stunde lang. Sagt jedoch eine Kollegin, ich sehe müde und blass aus, so kann mich dies den ganzen Tag ärgern.

In einer neuen Situation, bei Veränderungen, sobald wir die Komfortzone verlassen, taucht oftmals als erstes ein negativer Gedanke auf. Die Frage ist nun, wie wir damit umgehen.

 

Was nicht funktioniert

Zuerst 4 Strategien, welche nicht funktionieren:

  1. Dagegen Argumentieren
  2. Wegdrücken
  3. Ablenken
  4. Verurteilen

Weshalb funktionieren sie nicht:

  • Sie benötigen zu viel Kraft.
  • Es ist wie ein Kampf, den man auf Dauer nicht gewinnen kann.
  • Sie ermüden uns enorm und tragen zur Dauer-Erschöpfung bei.
  • Doch der wichtigste Punkt ist: Wir geben den negativen Gedanken zu viel Wichtigkeit. Dies wirkt wie Dünger für das Unkraut. Es explodiert förmlich und vermehrt sich ungehalten.

Wie im letzten Blog schon erwähnt, haben wir pro Tag bis zu 60`000 Gedanken.

Laut Studien sind 95% davon unbewusst und 80% negativ.
Dies ist eine unglaubliche Flut an Gedanken, welchen wir tagtäglich ausgesetzt sind.

Wenn wir diesen negativen Gedanken eine Wichtigkeit geben und daran glauben was sie uns sagen, lenken sie unser Leben in eine ungünstige Richtung. Es können Ängste, Zwänge, Depressionen oder andere psychische Krankheiten entstehen.

  

Deshalb ist die Pflege vom eigenen „Lebensgarten“ so enorm wichtig, damit Gutes wachsen und sich entwickeln kann.

 

 

2. Wie Lösungsmöglichkeiten aussehen können

 

Wir können den Kampf gegen die vielen negativen Gedanken nicht gewinnen. Doch Gottseidank gibt es eine Alternative, wie wir damit umgehen können:

Wir können uns einen Schritt zurücknehmen, uns neben die negativen Gedanken stellen, diese wahrnehmen ohne zu werten. So werden wir vom erschöpften Kämpfer zum Beobachter.

 

In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie* (ACT), nennt man dies „Defusionieren“ der Gedanken.

Das heisst, die Verschmelzung mit den Gedanken, welche für uns bedrohlich und ängstlich sind, und die wir als wichtig nehmen, aufzulösen.

 

* Die ACT ist eine neuere Form von Verhaltenstherapie.
Statt sich auf die Beseitigung quälender Gedanken und unangenehmer Gefühle zu fokussieren, sieht ACT eine alternative Strategie vor, nämlich das Verhalten durch achtsame Akzeptanz auf ein von persönlichen Werten geleitetes Leben auszurichten.

(Commitment = innere Selbstausrichtung).

 

Konkret heisst das:

Einen negativen Gedanken wahrnehmen.

Keinen der 4 oben genannten Strategien anwenden.

Sondern einfach zu sich selbst sprechen, zum Bsp.: „Danke Verstand, dass du mich schützen willst“.

Oder: „Aha, da ist sie wieder, die Selbstkritik“.

Wichtig dabei ist die Haltung, dass diese Gedanken da sein dürfen.

 

Wenn wir bewusst, achtsam und mit Akzeptanz an unsere Gedanken herangehen, so verändern sich diese und werden mit der Zeit weniger.

 

3. Eine Aufgabe für Sie persönlich

 

Wie wollen Sie mit Ihren Gedanken umgehen? Weiter daran hängen bleiben, grübeln, alles glauben was Sie denken? Ausmalen, wie schlimm es kommen wird? Vermeiden, nicht in die Handlung gehen?

Im ACT nennt man dies übrigens Erlebnisvermeidung.

 

Oder handeln Sie, trotz diesen unangenehmen Gedanken:

  •          Zum Beispiel die Frau Ihrer Träume ansprechen.
  •          Auch mal Nein zu sagen, obwohl ein Ja von den Mitmenschen erwartet wird.
  •         Sich nach einem neuen Job umsehen, wenn es Ihnen nicht mehr gefällt.

Der Gedanke ist da, doch Sie sind nicht der Gedanke.

Kämpfen Sie nicht dagegen an, sondern lassen Sie ihn einfach da. Punkt.

 

Das Ziel ist es, trotz der negativen Gedanken das zu tun, was Ihnen richtig und wichtig erscheint. Sie müssen nicht zwingend vor der Handlung positiv denken, sie können einfach beginnen, trotz den Befürchtungen und Sorgen.

Ist das nicht wunderbar?

 

Somit ist JETZT der beste Zeitpunkt zum Starten.

Welches Ziel möchten Sie erreichen? Welchen Schritt wollen Sie heute noch durchführen?

 

Jäten Sie regelmässig in Ihrem "Lebensgarten", lassen Sie das Unkraut nicht wuchern.

Benötigen Sie Beratung, Anleitung oder Unterstützung in Ihrer Alltagsbewältigung?

 

Alle meine Angebote finden Sie unter: www.alltagshorizont.ch